Wo ist der Rum?

Eine Collage mit dem Schriftzug Wo ist der Rum

 

Was ich trinken möchte, fragte er mich. Eine alkoholfreie Pina Colada. Aha… sicher? Joa. Die mit Alkohol sei aber auch im Eintrittspreis inbegriffen. Ich nehme trotzdem die ohne. So so. Kurz darauf reichte uns der nette Barkeeper an der vermutlich schrecklichsten „prähistorischen“ Felsmalerei der Welt uns die Coladas. Wollt ihr nicht doch ein bisschen Rum? Ich schaute zur Sehenswürdigkeit. Na gut, aber nur ein bisschen. Er haute einen ordentlichen Schluck in unsere Gläser und stellte dann die Rumflasche neben uns. Falls ihr doch noch mehr möchtet. Dann ging er weg.

Man kann ja irgendwo nicht abstreiten, dass bestimmte Dinge auf Kuba Mangelware sind. Rum gehört definitiv nicht dazu. Das wissen auch die Kubaner und geizen nie mit ihrem weltbekannten Getränk.

Eine ganze Weile nippte ich an meinem Cocktail und ließ die Szenerie auf mich wirken. Die langen, leeren Tische. Die unterforderten Barkeeper. Die maximal zwanzig Touristen. Nein, es war gerade keine Stoßzeit. Ich nahm noch einen kräftigen Schluck. Im Hintergrund schossen asiatische Touristen begeistert Fotos. Eine deutsche Familie im Trekking Look bog auf einen kleinen Trampelpfad ab.

Ich dachte, ein Glück sind wir hier nicht extra hingefahren sondern nur auf dem Rückweg von einer anderen Aktivität noch vorbei gekommen. Gut, vielleicht kann ich mich auch einfach nur nicht angemessen für moderne Kunst begeistern. Pittoreske Städte und traumhafte Strände gehen natürlich immer. Genauso wie alte Kunst. Aber moderne, abstrakte Kunst… ist mir irgendwie zu abstrakt.

Ich fragte mich, ob das japanische Pärchen, das gerade Fotos von sich vor der „prähistorischen“ Felsmalerei machte, sich auch fragte was zur Hölle sie dort eigentlich gerade machen. Eigentlich sahen sie ganz glücklich aus. Das verrückte war, wenn man in die andere Richtung schaute – also dort, wo es eigentlich nichts zu sehen gab – hatte man einen wirklich schönen Ausblick.

Durch den Rum beschwingt stand ich schließlich vom Tresen auf und nickte dem Barkeeper kurz zu. Ach komm, was soll’s. Das ist so skurril, das muss man schon fast fotografieren… Knips!

Das Mural de la Prehistoria auf Kuba

Gefällt dir? Dann kannst du den Beitrag hier teilen:

4 Kommentare

  1. Haha, ich musste gerade gut Schmunzeln bei deinem Bericht. Ich weiß auch immer nicht so genau, was ich von so etwas halten soll 😀 Ein bisschen Rum macht es da wahrscheinlich gleich viel besser…

    Liebe Grüße,
    Lynn

    • Hallo Lynn, ja das stimmt. Der Rum hat zumindest ein wenig kubanische Gelassenheit in die Situation gebracht 😉 Liebe Grüße, Imke

  2. So, jetzt aber 😉
    Dein Artikel liest sich super und ist echt witzig! Wobei ich zugeben muss, dass ich ein totaler Rum-Fan bin und für manche Art von abstrakter Kunst auch noch zu haben bin, allerdings kann ich diesem kubanischen Werk auch nicht viel positives abgewinnen 😀
    Viele liebe Grüße,
    Kuno

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.