Und deshalb stolper ich jetzt mal hier rum

Frau auf Wiese mit Buch

Sie ist klug und liest gerne alte Literatur. Am liebsten die Brontës oder Austen. Party macht sie dafür nie. Sie sieht gut aus, aber davon weiß sie nichts und wenn es irgendwo ein Stuhlbein gibt, dann stolpert sie garantiert darüber, denn sie ist nicht nur schüchtern, sondern auch etwas tollpatschig. Sie ist ironisch, nie mainstream, hat meistens eine hyperaktive beste Freundin und irgend ein armer Kerl ist total in sie verliebt. Immer. Wirklich.

Ihr habt das Gefühl,  ihr kennt dieses beneidenswerte Geschöpf? Dann habt ihr mit großer Wahrscheinlichkeit in den letzten Jahren ein Buch gelesen. (Herzlichen Glückwunsch übrigens dazu.) Es ist noch nicht mal ein Buch, sondern IRGENDEIN Buch, denn unsere liebenswerte Protagonistin spielt die Hauptrolle in diversen Büchern. Angefangen hat es wohl mit der armen und spätestens ab Band 2 nervigen Bella aus Twilight. Leider hörte es da nicht auf. Seitdem treffe ich Bella/Ana/Emily/beliebiger Frauenname in vielen Geschichten. Sie hat ein sehr bewegtes Leben, aber auch eines, bei dem man sich manchmal fragt, wann sie sich wohl entschließen wird, nicht mehr so naiv und nervig zu sein.

Unsere Heldin hat es nie leicht. Ständig hat sie unerwünschte Verehrer, kann sich aber nicht erklären wieso. Sie trifft dann aber garantiert einen ganz besonderen Mann, der versucht ihr zu erklären,  dass sie wunderschön ist und das nur nie gemerkt hat. Leider schüttelt dieser Mann sie nie ganz fest und schreit einmal:“Hast du keinen Spiegel? Du bist heiß! Und wenn du nicht die ganze Zeit so nett zu allen wärst, hättest du auch weniger nervige Verehrer.“

Sei es drum. Unsere Heldin ist halt in Liebesdingen etwas unerfahren. Spätestens drei Wochen nachdem sie den besonderen Mann mit dunklem Geheimnis getroffen hat, ist sie jedoch unsterblich verliebt – nein, Verliebtheit ist zu schwach – sie liebt diesen Kerl. Und er liebt sie ebenso, sodass sie nach einem Monat eigentlich bereit sind zu heiraten. Endlich hat sie jemanden gefunden, der ihr ganzes Leben kontrolliert, sodass sie nicht mehr über alles nachdenken muss.

Ich wünsche unserer Protagonistin wirklich alles Gute, aber das nächste Buch, das ich lese, sollte lieber nicht ihre Geschichte erzählen. Ich möchte einfach auch mal das Mädel kennenlernen, das normal ist. Das witzig ist, ohne 24 Stunden am Tag sarkastisch bzw. zynisch zu sein. Das auch mal die Cosmopolitan liest und nicht nur alte Schmöker. Das auf Partys geht und diese auch gut findet. Das nach zwei Wochen Beziehung nicht gleich unsterblich in love ist und auch noch ein eigenes Leben führen kann. Das durch die Welt gehen kann, ohne über jede Falte im Teppich zu stolpern. Und das weiß, dass es hübsch ist. Schauen wir also mal, wie es so mit deiner coolen Schwester läuft, liebe Bella/Ana/Emily…

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