Sag auch du NEIN zum Round-the-World Ticket

Flugzeugtragfläche Round-the-World Ticket

Wer eine Weltreise plant, wird sich früher oder später mit dem Thema Round-the-World Flugticket auseinandersetzen. So kam es auch, dass Claudia von „Weltreize“ und ich bei einem Weltreise Meet-up in Hamburg darüber ins Schnacken kamen. Claudia und ihr Freund haben sich für ein RTW Ticket entschieden und stellen dir auf ihrem Blog Weltreize die Vorteile eines solchen Tickets vor. Ich möchte dir hier erzählen, wieso ich mich gegen ein Sammelticket entschieden habe und was aus meiner Sicht die Nachteile der RTW Tickets sind.

E

s gibt sicher viele gute Gründe, die für ein RTW Ticket sprechen. Für mich persönlich gab es genau einen Grund, der mich letztendlich vom Kauf abhielt: gefühlte Flexibilität. Was das sein soll? Verrate ich dir! Auch ich stürzte mich 2012 voller Elan in die Planung meiner Weltreise und spielte mit dem Gedanken, so ein Ticket zu nehmen. Verlockend war es ja schon. Immerhin hat man beispielsweise immer ein Weiterreiseticket vorzuzeigen – das ist in vielen Ländern bei der Einreise praktisch. Außerdem kann ein RTW Ticket, vor allem wenn es zonenbasiert ist, die Kosten für ansonsten teure Flugstrecken minimieren. Ich dachte: super, das probiere ich aus!

Gesagt, getan. Ich probierte also, mit den RTW Tools von OneWorld und Star Alliance eine sinnvolle Route zu basteln. Und genau dabei kam schnell die Ernüchterung. Bei den meisten der Tickets muss man schon bei der Buchung die genauen Stopps und im schlimmsten Fall auch die Flugtage festlegen.

Hilfe! Für mich als Entscheidungsfeigling ein absoluter Alptraum! Ich saß also da, bastelte und probierte und grübelte vor allem darüber, ob ich mich jetzt wirklich auf bestimmte Flugdaten und eine Route festlegen wollte.

RTW Ticket und das Gefühl von Freiheit schrumpft

Das Projekt Weltreise. Hatte ich mir das so vorgestellt? Eine Weltreise. Das war für mich die Verheißung von Freiheit, von Spontanität und Abenteuer. Und jetzt wollten Star Alliance und OneWorld ziemlich konkret von mir wissen, wann ich welchen Flug nehmen möchte. Verführerisch flüsterten die Buchungswebsites: „Ja, aber du kannst später doch noch umbuchen. … Gegen eine kleine Gebühr.“ Was, wenn mir nach drei Monaten auffällt, dass ich Backpacking überhaupt nicht mag und ich mich entschließen würde das ganze abzubrechen? Dann hätte ich das teure Ticket umsonst gekauft. „Unsere Tickets bekommst du schon ab 1.800 Euro“, flüsterten Star Alliance und OneWorld. „Das ist unschlagbar günstig.“

Ich wollte ihnen ja glauben, den Versprechen der Round-the-World Ticket Anbietern. Aber trotzdem saß ich vor dem Rechner und war jedes Mal unzufrieden, wenn ich versuchte meine Wunschroute mit ihnen zu planen. Es flutschte einfach nicht. Irgendwann kam ich immer an einen Punkt, wo die Airline Allianz entweder nicht in die Region flog, in die ich wollte, oder mir völlig unklar war, wie lange ich in einer Region bleiben wollte.

Doch das Hauptproblem, welches ich mit RTW Tickets hatte, war definitiv meine eigene Entscheidungsangst. Ich dachte immer wieder: Ich weiß doch noch nicht einmal, wo ich übernächste Woche bin. Wie soll ich mich denn dann jetzt schon vor Antritt einer Weltreise auf eine konkrete Route und Reisetage festlegen?

Ich war gelinde gesagt überfordert mit den Entscheidungen, die ich durch die Buchung eines Round-the-World Tickets zu dem Zeitpunkt hätte treffen müssen. Darum entschloss ich kurzerhand, die Entscheidungen zu vertagen, und Einzeltickets zu nehmen. Das bedeutete, dass ich nur mit einem One Way Ticket nach Bangkok loszog. Alle weiteren Tickets kaufte ich jeweils unterwegs ein paar Wochen vor dem geplanten Abflug.

Ist das für jeden der richtige Weg? Sicher nicht. Wenn du beispielsweise schon eine sehr konkrete Vorstellung davon hast, welche Orte auf der Welt du sehen möchtest und wie viel Zeit du dafür hast, dann kann sich ein komplettes Ticket lohnen.

Nachteile eines Round-the-World Tickets im Überblick

  • Die Tickets sind immer teurer, als der „ab“ Preis, der dich auf die Website ködert. Wenn du im Winter startest, wird dein Ticket auf jeden Fall teurer, denn dann ist für Südostasien, Australien, Neuseeland und weitere klassische Backpacking Länder Hauptsaison.
  • Das Ticket schenkt dir nichts! So werden die km von Surface Etappen (also Überland-Strecken) bei meilenbasierten Tickets mitgerechnet.
  • Theoretisch kannst du noch während der Reise umbuchen. Praktisch wirst du das natürlich nicht so häufig machen, denn es kostet Nerven und Umbuchungsgebühren. Du verlierst also durch ein RTW Ticket einen Teil der Flexibilität.
  • Du bist auf das Streckennetz der gewählten Alliance festgelegt. Wenn du darüber hinaus Ziele hast, wird es schwierig oder teurer.
  • Backtracking ist nicht erlaubt. Das heißt, du musst dich auf eine Reiserichtung (Ost-West / West-Ost) festlegen und dabei bleiben.
  • Teilstrecken wirst du aus den oben genannten Gründen zusätzlich zum RTW Ticket kaufen müssen.
  • Round-the-World Tickets sind in der Regel nur ein Jahr gültig. Wenn du dich unterwegs entschließt, deine Reise über 365 Tage hinaus zu verlängern, kannst du dein Ticket somit in den Müll schmeißen.

Ist ein RTW Ticket günstiger als Einzelflüge?

Ob dir ein RTW Ticket am Ende des Tages flexibel genug ist, musst du selbst entscheiden. Finanziell bin ich persönlich der Meinung, dass Einzeltickets in der Regel nicht wesentlich teurer sind als RTW Tickets. So kosten letztgenannte auf typischen Backpacker Routen oft ca. 3.000 Euro. Ich habe für meine Einzelflüge insgesamt 3.340,00 Euro bezahlt. Hinzu kamen noch einmal 340,00 Euro für Kurzstrecken, die ich sowieso nicht in das Ticket hätte integrieren können.

Meine Einzelflüge im Überblick:

Berlin – Bangkok = 560,00 Euro
Ho-Chi-Minh – Hanoi = 55,00 Euro
Hanoi – Shanghai – Vientiane = 550,00 Euro
Luang Prabang – Chiang Mai = 170,00 Euro
Kuala Lumpur – Jakarta = 65,00 Euro
Denpasar – Auckland = 450,00 Euro
Christchurch – Auckland = 50,00 Euro
Auckland – L.A. = 575,00 Euro
L.A. – Lima = 335,00 Euro
Bogota – New York = 350,00 Euro
New York – Düsseldorf = 520,00 Euro

Ich habe von Anfang an in meinem Budget 5.000 Euro für Flüge eingeplant. So hatte ich genug Puffer, um mir zu jedem Zeitpunkt der Reise ein neues Ticket oder einen Heimflug leisten zu können.

Sagst du auch nein?

Ob auch du am Ende des Tages NEIN zum Round-the-World Ticket sagst, musst du (leider) selbst entscheiden. Das kann ich dir nicht abnehmen. Für mich war ganz simpel der Entscheidungsdruck, sich auf eine Route festlegen zu müssen, ausschlaggebend. Ich wollte auf meiner Weltreise frei sein, frei entscheiden und einmal nicht genau wissen, wohin es mich als nächstes verschlagen würde. In gewisser Weise wollte ich planlos sein. Natürlich habe ich mich während der Reise irgendwann nach und nach durch den Kauf der One Way Tickets festgelegt. Aber das kam mir in dem Moment nicht so schlimm vor. Irgendwann fügte sich alles und ich war glücklich damit. Vor der Abreise hätte ich diese Route aber so nie festzurren können, ohne mich eingeengt zu fühlen.

Wenn du dir noch nicht so sicher bist, wo dich deine Langzeitreise hin führen soll oder ob du eventuell länger unterwegs sein möchtest als ein Jahr, dann ist die Organisation über One Way Tickets auf jeden Fall eine attraktive Option.

Du bist neugierig auf den positiven Erfahrungsbericht zum RTW Ticket? Dann schau unbedingt bei Weltreize vorbei! Claudia hat dort die Vorteile der Tickets aufgeführt.

Eine Übersicht über die Vor- und Nachteile von den Tickets findest du auch bei Weltreise Info und bei Um die Weltreise.

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2 Kommentare

  1. Danke für den Beitrag! Ich freue mich an dieser Stelle laut NEIN sagen zu dürfen! Wir haben uns für die nächste Weltreise wieder für die Einzelticket-Variante entschieden. Unsere Tickets liegen bei 2500 Euro pro Person für ein Jahr und soviel hatte ich auch letztes Mal für ein Jahr Weltreise bezahlt. Deutschland – Mittelamerika – USA – Deutschland – Asien – zurück. Keine Flüge nach Neuseeland, die teuer sein dürften im Winter.

    Und wir haben auch nicht alle Möglichkeiten des Sparens bei Einzelflügen ausgeschöpft. Bei Flügen über 500 Euro lohnt es sich wohl Flugexperten wie flystein oder ähnliche zu engagieren.

    • Hallo Chris,
      yeah! Willkommen im Club der Nein-Sager 🙂 Ich hab auch bei meinen Einzelflügen immer geschaut, dass das Verhältnis von Preis und Reisedauer stimmt. 100 Euro weniger aber dafür 24 Stunden am Flughafen Stopover – dafür war mir meine Zeit immer zu schade (und mein Budget nicht knapp genug).
      Liebe Grüße
      Imke

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