48 Stunden – Sylt im Winter: Meine Erfahrungen und Tipps

Leuchtturm am Ellenbogen List-Ost auf Sylt

Was macht man eigentlich auf Sylt im Winter? Welches Restaurant in Westerland kann man empfehlen? Ist es schlau, bei 0°C mit dem Fahrrad zum Ellenbogen zu fahren? Ein Reisebericht…

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nd dann kam der Gegenwind… ich merkte, wie die Stimmung langsam aber stetig abnahm. Meine Oberschenkel brannten zu 50 % wegen der Kälte und zu 50 % wegen der Anstrengung, während mein T-Shirt unter der nicht so atmungsaktiven Jacke langsam an meinem Rücken festklebte.

Dass das Ganze eigentlich eine dumme Idee war, hatte ich schon nach ca. 3 km im Gefühl. Wieso hatte ich nicht im entscheidenden Moment im Fahrradverleih in Westerland entschieden mit JA geantwortet – auf die Frage, ob’s ein E-Bike sein soll?

Jetzt gab es aber kein Zurück mehr. Na gut, gab es schon. Aber mein Fahrradfahrer-Stolz verbot mir das Umkehren. Also trat ich fester in die Pedale, versuchte das latente Brennen des kalten Windes auf meinen Wangen zu ignorieren und setzte starrköpfig den Weg gen Ellenbogen fort.

#ganzdummeidee

Sylt im Winter Reisebericht

Am zweiten Tag meines Wochenendtrips schien sogar die Sonne und bescherte uns damit diesen wunderschönen Ausblick aufs Meer am Strand in Keitum. Damit waren auch fast die Fahrrad-Strapazen von Tag eins vergessen.

Der Plan: Ein Wochenendtrip nach Sylt

Eigentlich war es natürlich eine großartige Idee, an einem Wochenende im Februar nach Sylt zu fahren. Von Hamburg aus kann man super bequem den Zug ab Altona nehmen und steigt 3 Stunden später in Westerland wieder aus. Perfekt.

Das dachte ich mir auch und wählte daher Sylt als Ausflugsziel für 48 Stunden Miniurlaub und Seele baumeln lassen.

Sylt im Winter Dünenlandschaft

Die Dünenlandschaft auf Sylt ist auch im Winter schön für einen Spaziergang.

„Überleg dir mal, was du auf Sylt machen willst“, schlug meine Begleitung vor. Also stöberte ich ein bisschen und notierte folgende Tipps für Sylt im Winter:

  • Ellenbogen mit dem Fahrrad erkunden
  • Schafe in Listland sehen
  • Keitum und die Teestube oder das Restaurant Brot & Bier
  • Sylter Eismanufaktur
  • Rotes Kliff in Kampen

Dass die Liste für 48 Stunden etwas lang war, ignorierte ich erst einmal. Man muss ja auch die Messlatte zunächst hoch hängen.

(Du suchst noch nach tollen Tipps für Sylt? Dann schau unbedingt mal bei Sabine vom Blog Fratuschi vorbei! Sabine ist Sylt-Wiederholungstäter und kennt ca. 1.000 gute Ideen für ein Inselwochenende.)

Übernachtet haben wir übrigens im Strandhotel Sylt, welches vom Bahnhof Westerland in ca. 10 Gehminuten erreichbar ist. Das Hotel hat zwar kein eigenes Restaurant, aber es bietet Übernachtung mit Frühstück. Die Zimmer sind freundlich eingerichtet und geräumig und das Frühstück war wirklich sehr lecker und reichhaltig.

Es gibt sicher Hotels und Frühstückspensionen auf Sylt, die moderner eingerichtet sind, aber mit dem Strandhotel Sylt macht man auf jeden Fall nichts falsch. Ein Doppelzimmer kostet ca. 160 Euro pro Nacht.

Keitum Strand

Eines meiner Lieblingsfotos von diesem Wochenende: Spuren im Sand am Strand von Keitum.

 

Reif für eine kurze Auszeit vom Alltag, aber nicht für die Insel? Wie wäre es mit einem Ausflug nach Lübeck oder Schwerin? Wenn’s ein bisschen Meer sein soll: Stralsund?

Fahrradverleih in Westerland

Ziemlich weit oben auf meiner „Das will ich auf Sylt machen“ Wunschliste stand eine Radtour von Westerland zum Ellenbogen.

Ja, ich hatte das vorher auf Google Maps nachgeschaut. Etwa 23 km (oder 1,5 Stunden) sind es für die Hinfahrt… und dann natürlich noch einmal für die Rückfahrt. Google Maps ist ja meistens recht optimistisch in der Zeitkalkulation, also dachte ich:

Ok, das wird so ein 2 Stunden Ding. Das schaffe ich.

Also ab zum Fahrradverleih in Westerland.

Im Winter haben auf Sylt eventuell einige der Fahrradläden geschlossen, daher sind wir auf Nummer sicher gegangen und haben einen Fahrradverleih ziemlich gegenüber vom Bahnhof Westerland gewählt: Mietrad Sylt am Kirchenweg.

Der Mitarbeiter fragte freundlich: E-Bike oder normales Fahrrad?

Mein Mitreisender und ich schauten uns einige Sekunden an – in der stummen Hoffnung, dass der andere zuerst was sagt. Bis ich es nicht länger aushielt.

Normales Fahrrad bitte.

Der freundliche Mitarbeiter vom Fahrradverleih zog kurz fragend die Augenbrauen hoch. Dann sagte er „Ok“ und füllte den Mietvertrag aus.

Ich sag mal so… im Nachhinein betrachtet war es ein klassischer Fall von „Und ich sag noch zu mir, das ist eine dumme Idee.“

Was kostet ein Mietrad beim Fahrradverleih in Westerland?
Normales Fahrrad ca. 8 Euro pro Tag
E-Bike ca. 20 Euro pro Tag 

(Die Fahrräder waren übrigens top in Ordnung und genau so, wie sie sein sollten. Es wäre bei ca. 0°C und windigen Verhältnissen nur schlauer gewesen, so ein schickes E-Bike auszutesten.)

So, ab auf’s Rad und losgeradelt.

Was macht man auf Sylt im Winter? Eine Radtour zum Ellenbogen! Oder nicht?

Von Westerland aus ging es zunächst eine Weile durch Wohnsiedlungen, bevor wir in die Dünenlandschaft und auf den Radweg kamen. Immer wieder zuckte meine Hand zur Bremse – die vielen Reetdachhäuser hatten meine Aufmerksamkeit. Meine Kamera hatte bis dato in der Handtasche geschlummert. Aber nun wollte sie zum Einsatz kommen!

Ich bin mir nicht so sicher, aber ich glaub die Uwe Düne haben wir ein bisschen verpasst. Jedenfalls kamen wir irgendwann am Quermarkenfeuer Rotes Kliff an. Der kleine, achteckige Leuchtturm markiert das nordwestliche Ende des Roten Kliffs und lud auch uns zu einer kleinen Verschnaufpause ein. Immerhin waren wir zu dem Zeitpunkt auch schon ca. 7,5 km geradelt.

Und lass dir bitte nichts von Google Maps erzählen… wenn du kein super flotter Radfahrer bist, dann dauert es länger als 25 Minuten um dort hin zu kommen.

Dünenlandschaft

Sowohl hier als auch schon vorher lasse ich meinen Blick über die jetzt im Winter etwas karge Dünenlandschaft schweifen. Trotzdem finde ich es irgendwie schön. Vielleicht liegt es daran, dass ich ja auch in der Nähe der Küste aufgewachsen bin?

Lange verweilt haben wir am Leuchtturm nicht, denn unser Ziel war ja noch es mit dem Fahrrad auf den Ellenbogen zu schaffen. Also traten wir in die Pedale.

Noch mal 6,5 km weiter kam schließlich die Abzweigung, an der wir uns entscheiden mussten. Ziehen wir es durch und radeln zum Ellenbogen oder fahren wir nach List.

Und, was meinst du?, fragte ich meinen Begleiter. Wollen wir das noch durchziehen?

So völlig überzeugt war eigentlich keiner von uns beiden, denn das leichte Brennen in den Oberschenkeln und der latente Frost auf den Wangen nagte an uns. Aber ich hatte auch gehört, dass der Ellenbogen super schön sein soll.

Ja, los komm. Lass uns das machen, sagte mein Begleiter.

Etwa 9 km trennten uns zu dem Zeitpunkt noch vom Leuchtturm List-Ost. Das war unser Ziel.

Schaf am Ellenbogen

Schafe in Listland oder auf dem Ellenbogen sehen stand auf meiner Wunschliste für Sylt. Als ich sie dann sah, war mir schon zu kalt um passionierte Fotos zu schießen…

List-Ost Leuchtturm

Der bekannte Leuchtturm List-Ost. Er befindet sich auf einem Privatgrundstück und kann daher nicht aus der Nähe betrachtet werden.

Ich glaube, der Ellenbogen kann magisch sein. Genau an diesem Tag war er es für mich (und ich vermute auch für meinen Begleiter) eher nicht. Das Wetter war ein bisschen trübe, sehr kalt – und um ehrlich zu sein sah es landschaftlich fast so aus wie die 14 km vorher auch. Die Luft war einfach bei uns schon raus, als wir dort ankamen.

Mittlerweile nicht mehr so motiviert aber trotzdem unerbittlich trat ich in die Pedale. Es nützte jetzt ja auch nichts.

Der Leuchtturm war schon nett anzusehen. Aber ein schöner, heißer Friesentee in List wäre vermutlich auch schön gewesen. Ob ich mit der jetzigen Erfahrung noch einmal entscheiden würde, im Winter mit dem Fahrrad ganz auf den Ellenbogen zu fahren? Vermutlich nicht.

Ich würde mir eine kürzere Strecke vornehmen aber dafür mehr Zeit gönnen. Am Roten Kliff spazieren gehen, die Uwe Düne erkunden, einen Tee in der Kupferkanne in Kampen schlürfen…

So ergibt sich der Sylt im Winter Tipp Nr. 1: Distanzen nicht unterschätzen

Bei eisigen Temperaturen und windigen Tagen radelt es sich definitiv etwas weniger gemütlich durch die Dünenlandschaften.

Die 23 km vom Leuchtturm zurück bis zum Strandhotel Sylt haben wir übrigens ziemlich pausenlos und eisern abgeradelt. Ich glaube, wir beide hatten das Ziel vor Augen: im Hotel die Beine entspannen.

Restaurant Tipp für Westerland

Nach so viel Bewegung hatten wir uns in jedem Fall ein ordentliches Abendessen verdient. Wir hatten bereits im Vorfeld einen Tisch im Siam Sylt reserviert. Das Restaurant serviert thailändische Küche und liegt in etwa gegenüber vom Aquarium.

Wer einmal hier war der weiß: das Siam Sylt wird mit Leidenschaft geführt. Bei den vielen lecker klingenden Gerichten in der Speisekarte fiel mir die Entscheidung nicht leicht. Schließlich nahm ich ein rotes Curry mit Kokosmilch und – was soll ich sagen – es war wirklich sehr, sehr lecker.

Wenn du also im Winter auf Sylt bist und mal keine Lust mehr auf Fischbrötchen hast, dann kann ich dir das Siam Sylt nur wärmstens empfehlen!

Nochmal ab auf’s Rad – und rüber nach Keitum

Man lernt ja aus Fehlern… zumindest ein wenig. Daher entschlossen wir uns am zweiten Tag auf Sylt keine großen Distanzen mehr zurückzulegen und mit den Fahrrädern von Westerland nach Keitum zu fahren. Schien machbar – war es auch.

Leider wartete auch in Keitum eine kleine Enttäuschung auf uns. Etwa drei Tage lang hatte ich schon einer schönen Tasse Tee und einem fetten Stück Kuchen in der „Kleinen Teestube“ entgegen gefiebert. Und ausgerechnet dann waren Betriebsferien.

Aber ich gebe zu, über eventuelle Öffnungszeiten vorab informiert habe ich mich auch nicht.

Daraus folgt Tipp Nr. 2 für Sylt im Winter: Öffnungszeiten checken

Viele Restaurants und Geschäfte schließen im Winter, weil es sich für sie nicht so sehr lohnt, in dieser Zeit geöffnet zu haben. Wenn dein Herz also an einer Aktivität hängt, informiere dich vorab über die Öffnungszeiten.

Kleine Teestube Außenansicht

Die kleine Teestube… hach, was hatte ich mich auf leckeren Friesentee mit Kluntje gefreut. Na ja… nächstes Mal.

Statt einen Tee mit Kluntje zu schlürfen und ein Stück Kuchen zu genießen sind wir dann einfach ein wenig in Keitum spazieren gegangen, haben die Reetdachhäuser bestaunt und uns am Strand den Wind um die Nase wehen lassen. Das war auch schön.

Strandspaziergang in Keitum

Reetdachhaus in Keitum

Fazit?

Sylt… ich bin noch nicht fertig mit dir! Du musst mich noch ein wenig von deinem magischen Flair überzeugen, aber ich sehe da Potenzial für eine kleine Lovestory…

Vielleicht lassen wir es das nächste Mal etwas ruhiger angehen und lernen uns bei Tee und einem Stück Kuchen etwas besser kennen. Dann kannst du mir ja auch noch deine Schokoladenseiten näher zeigen. Und im Sommer probiere ich es vielleicht auch noch einmal mit dem Fahrrad und dem Ellenbogen…

Noch mehr Sylt Infos gesucht? Dann schau auch mal bei Ria on Tour und Spaness vorbei. Ria und Tanja waren ebenfalls im Winter auf Sylt unterwegs und haben weitere coole Tipps für dich!

 

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9 Kommentare

  1. Pingback: Sylt im Winter - gefrorenes Watt & verschneite Strände

    • Hallo Clemens,
      also für mich war der Tag ja eher actionreich, aber nächstes Mal lasse ich mich vielleicht lieber auf der gemütlichen Welle mittragen 😉
      Viele Grüße
      Imke

  2. Sehr schön und witzig. Ich war Anfang Februar auf Sylt und fand es angenehm. Es ist in der Tat eine gute Idee sich über Öffnungszeiten zu informieren. Für Tee und Kuchen gibt es immer die Kupferkanne, zu jeder Jahreszeit.

  3. Liebe Imke,
    also ich war ja letztes Jahr im März – eine Woche – auf Sylt… und es war traumhaft. Durchgehend cooles Wetter… nur der Sonnenaufgang wollte nicht so richtig klappen…
    Wir haben uns aber auch die Räder geklemmt und sind nur „wandern“ gewesen. Ellenbogen, rotes Kliff, am Strand bei der Sansibar… kleinere Strecken (um die 10 km) und den Genuss nicht vergessen. Das war eine perfekte Mischung. 🙂

    • Hallo Tanja,
      ja, ich glaub die Radtour von Westerland zum Ellenbogen war einfach bei 0 Grad etwas zu ambitioniert 😉 Da hört sich euer Plan besser an.

      Viele Grüße
      Imke

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