Er wird schon wissen, was er da tut

Kurioser ReisemomentQuelle: Pixabay

Im Urlaub sind wir entspannt, machen uns nicht allzu viele Sorgen und verlassen uns selbst in kuriosen Reisemomenten auf die Einheimischen. Wer schon einmal ein asiatisches Moped beladen mit 3 Kindern, 5 Reissäcken und einem Schwein gesehen hat, der dachte bestimmt auch: Er wird schon wissen, was er da tut…

Nicht wenige dieser „Er wird schon wissen…“-Momente sind so absurd, dass man sich im Nachhinein fragt, wie man damals ernsthaft denken konnte, das sei schon alles ok so. Genau nach solchen Momenten hat Tina von Choices of Life in ihrer Blogparade gefragt – und deshalb krame ich jetzt mal in meiner Erinnerung nach meinen kuriosen Reisemomenten.   

Einfach mal vertrauen, wie früher

Wenn wir auf Reisen sind, dann möchten wir uns auf spannende Abenteuer und auf etwas Neues einlassen. Nicht selten müssen wir uns während unserer Zeit an fremden Orten voll und ganz auf Einheimische verlassen. Manchmal tun wir dies, weil es schlicht keine andere Möglichkeit gibt. Vielleicht fühlen wir uns in diesem Moment ein wenig ausgeliefert und nicht wirklich wohl. Öfter jedoch sind wir vermutlich sogar ganz froh, dass die Einheimischen die Dinge für uns regeln. Denn es ist letztlich auch ganz angenehm, wenn wir für eine gewisse Zeit die Verantwortung für das, was gerade passiert, abgeben können und uns einfach nur denken: Er wird schon wissen, was er da tut.

Selbst in der bolivianischen Salzwüste Uyuni blieb ich erstaunlich ruhig, als wir eine Autopanne hatten. Wieso das so besonders ist? Nun, Uyuni ist groß. Sehr groß. Und damit die Touristen das Gefühl von Einsamkeit genießen können, fährt jeder Jeep eine etwas andere Route. Kurz gesagt: bei einer ernsthaften Panne hätte es eine Weile dauern können, bis uns jemand begegnet wäre. Die Situation hätte mich also beunruhigen können. Tat sie aber nicht. Stattdessen nutzte ich die Zeit, in der unser Fahrer Poli am Jeep schraubte, um Sprungbilder zu machen. Ich weiß gar nicht wieso, aber ich dachte während meiner Sprünge: Ach, der Poli regelt das schon. Und wenn nicht, dann ist später immer noch Zeit für Panik… In diesem Fall konnten wir nach einer halben Stunde weiterfahren.

Er wird schon wissen, was er da tut… nicht!

Wir begeben uns auf Reisen in die Hände von Touristenführern, Busfahrern, Taxifahrern, Menschen die uns den Weg beschreiben… was bleibt uns auch anderes übrig? In 95% aller Fälle wird am Ende auch alles gut.

Und dann gibt es die Fälle, wo du leider doch mitdenken musst. Interessant ist, dass dein Bauchgefühl dir meistens recht genau sagt, ob du dich gerade potenziell innerhalb der anderen 5% befindest.

Pangandaran Strand

Nach dem schönen Strand von Pangandaran war ich noch ganz entspannt…

Mein „Er weiß nicht(!) was er da tut“-Moment war in Indonesien. Ich war mit einer anderen Deutschen unterwegs. Am nächsten Tag wollten wir von Pangandaran nach Yogjakarta reisen, genau wie zwei jüngere Niederländerinnen aus unserer Unterkunft. Die Hostelmama überredete uns, einen privaten Transfer zu nehmen, was sich finanziell zu viert schon lohnte.

Das Auto bzw. der Fahrer holte uns wie vereinbart am nächsten Morgen ab. Meine drei Mitreisenden nahmen hinten Platz, ich auf dem Beifahrersitz. Wir fuhren los, die Stimmung war gut. Aber bald beschlich mich das Gefühl, dass der Fahrer sich merkwürdig benahm. Zuerst dachte ich, er habe Halsschmerzen oder ihm sei übel, denn er öffnete öfter ganz komisch den Mund. So, als würde er nach einem Schlag auf den Kiefer prüfen, ob dieser gebrochen sei. Dann fuhr er sich ein paar Mal mit den Händen durch das Gesicht.

Erst warfen meine deutsche Mitreisende und ich uns noch etwas schmunzelnd fragende Blicke zu. Die Blicke, mit denen man sagt: Haha, der Fahrer ist ein bisschen komisch, aber er wird schon wissen was er da tut. Doch es dauerte nicht lange, bis mir das Ganze etwas zu komisch vorkam. Während ich mit der Deutschen subtil rätselte, ob der Fahrer eventuell unter Drogeneinfluss stand, schienen die beiden jungen Niederländerinnen noch völlig entspannt. Auch als wir sie fragten, ob ihnen unser Fahrer merkwürdig erschien, sagten sie: nö, da ist bestimmt alles gut.

Ich hingegen dachte zu diesem Zeitpunkt bereits: Sch…, du sitzt in einem Auto mit einem Fahrer, der vermutlich gleich gegen einen Baum fährt. Und 2/3 deiner Mitreisenden kümmert das nicht.

Dann hielten wir an, weil der Fahrer sich erbrechen musste. Ich wurde langsam unruhig, fragte, ob es ihm gut ginge. Ja ja, ihm sei nur etwas flau im Magen weil er nicht gefrühstückt habe. Wir schlugen vor, er könne irgendwo anhalten und was essen. Gesagt, getan. Doch auch mit Frühstück im Magen fing er kurz darauf erneut an, komisch den Mund zu verziehen. Es dauerte noch ein paar Kilometer, bis ich endlich den Mund aufmachte und verlangte zu erfahren, was überhaupt mit ihm los sei.

Wie sich schließlich herausstellte, war der gute Mann die ganze Nacht über von Yogjakarta nach Pangandaran gefahren, um pünktlich für unsere Fahrt da zu sein. Geschlafen hatte er jedenfalls nicht. Das war der Moment, in dem ich so saumäßig froh war, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört hatte. Denn manchmal wissen auch die Einheimischen nicht, was sie tun. Nein, die nachfolgenden drei Stunden an einer langweiligen Raststätte, in denen unser Fahrer etwas Schlaf nachholte, waren nicht schön. Ja, ich hätte darauf verzichten können, fünf Stunden später als geplant in Yogjakarta anzukommen.

Wenn es hart auf hart kommt, musst DU wissen, was zu tun ist

Ich sag mal so: klar hätte ich auch die Klappe halten können. Ob wir dann jemals heile in Yogjakarta angekommen wären, wage ich zu bezweifeln. Wieso genau ich diese Fahrt als unmittelbar bedrohlicher empfunden habe als die Autopanne mit Poli irgendwo im Nirgendwo kann ich gar nicht genau sagen. Auch mit der Salzwüste ist nicht zu spaßen. Fakt ist aber: wenn du reist, musst du im Grunde in jedem Moment entscheiden, ob es klug ist, in den Mir-egal-Modus zu schalten.

Weitere kuriose Reisemomente haben auch Sabine von Ferngeweht und Mel von Kind im Gepäck vorgestellt. Schau vorbei!

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1 Kommentare

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