#12in12 Challenge: Ein Selbstversuch

12in12 Challenge Verreisen

Da saß ich nun am Sonntag auf meinem Sofa – wie eigentlich jeden Sonntag. Schön eingemummelt in eine Decke scrollte ich so nebenbei meinen Instagram Feed durch. Je mehr ich nach unten wischte, desto kratziger fühlte sich der Vanillekipferl in meinem Hals an. Ich schluckte schwer… anscheinend hatten mindestens 70 Prozent der Leute, denen ich auf Instagram folge, das Wochenende über tolle Reisen und Ausflüge gemacht. Langsam kroch sie in meinen Kopf – die nagende Frage, warum ich zu Hause geblieben war anstatt die Welt zu entdecken.

I

ch zog die Decke ein bisschen höher, griff nach einem neuen Kipferl und rutsche etwas tiefer in mein Sofa. Vielleicht ließ sich dieser Gedanke noch beiseite schieben? Leider war er wie Baumharz auf einem Autodach: ziemlich hartnäckig und schwer wieder loszuwerden.

Also grübelte ich die folgenden Wochen darüber nach.

Wollte ich wirklich öfter verreisen oder war das die böse Manipulation meiner Lebensziele durch Instagram, der ich gerade erlag? Und wenn ich eigentlich gern öfter verreisen würde, was hielt mich davon ab?

Ich verfiel in ein leicht deprimierendes Ritual des Insta-Feed Durchscrollens vor dem Schlafengehen, schaute die schönsten Bergpanoramen gepaart mit gelben Regenjacken und Pudelmützen an und überlegte schon, wo ich so eine Jacke für meine Instagrambilder herbekommen könnte.

Doch die Frage blieb: Was hält mich eigentlich davon ab, öfter für ein Wochenende zu verreisen?

Die Antwort darauf war so banal wie niederschmetternd:

  • Ich empfinde es oft als zu aufwändig, einen Wochenendtrip zu organisieren.
  • Ich denke oft, dass es sich eh nicht lohnt, von Freitagabend bis Sonntag zu verreisen.
  • Ich bin einfach sehr, sehr gerne zu Hause auf meinem Sofa.

Alle drei Punkte ergaben ein gefährliches Gemisch, was bei mir zu ziemlicher Prokrastination und Lethargie führte.

Die Souffleuse zum Wochenende: mein innerer Schweinehund

Immer wenn ich über einen Wochenendtrip nachdachte, lachte mein innerer Schweinehund. Er kannte mich einfach zu gut und wusste genau, was er mir ins Ohr flüstern muss.

„Pssst, hey Imke. Willst du das wirklich? Das ist dann doch total stressig, Freitag nach der Arbeit los. Du machst ja eh nie pünktlich Feierabend und dann wird es ja auch schon recht spät. Und wenn du erst Samstag losfährst, dann lohnt sich das ja gar nicht.“

War ich noch nicht überzeugt, legte er noch einen oben drauf.

„Aber Imke… Überleg doch mal, so ein Wochenendtrip der macht nur Arbeit. Du musst dir ein Ziel überlegen, da hin fahren, vorher recherchieren was es dort zu sehen gibt. Und du weißt doch gar nicht ob das Wetter dann gut ist. Bestimmt regnet es die ganze Zeit. Dann macht so ein Ausflug ja auch keinen Spaß und die Fotos sehen blöd aus. Da kannst du besser zu Hause bleiben, deinen normalen Wochenendrhythmus beibehalten und schön entspannen. Schau mal, dein Sofa sieht so gemütlich aus und deine Woche ist doch immer so anstrengend!“

Leicht ausgelaugt nickte ich an diesem Punkt meistens. Er hatte ja auch irgendwie Recht, mein Schweinehund. Besonders freitags am Abend und samstags früh merke ich, dass die Woche mich müde gemacht hat. Aber ist das die richtige Ausrede, um nie etwas zu unternehmen?

Meine Reisen 2018 – oder: Warum ich ein bisschen so bin wie die „Kleine Hexe“

Gut, nie ist jetzt vielleicht auch etwas negativ betrachtet. Immerhin bin ich letztes Jahr sieben Mal verreist:

Februar: Ein Wochenende nach Sylt

März/April: Drei Wochen nach Australien

April: Ein Wochenende nach Usedom

Juni: Ein Wochenende ins Nürnberger Land

Oktober: Ein Kurztrip nach Athen

Oktober: Ein Tagesausflug nach Lüneburg

Oktober/November: Ein Kurztrip nach Marraeksch

Das ist doch schon mal was. Aber es ist auch ein bisschen wie mit der „Kleinen Hexe“. Sie mag vielleicht im Vergleich zu normalen Menschen schon sehr alt sein, aber gemessen an den anderen Hexen ist sie noch sehr jung. So ähnlich geht es mir manchmal im Bezug auf Reisen. Für andere Menschen verreise ich schon sehr häufig, aber im Vergleich zu anderen Reisebloggern bin ich wohl eher ein kleiner Stubenhocker.

Seit neuestem gesellte sich deshalb zu meinem Schweinehund noch ein weiteres Wesen. Das „Muss-Monster“. Es nickte erst anerkennend zu meiner Reiseliste 2018, nur um sich dann verschwörerisch vorzubeugen und hinzu zu fügen: „Ja, aber meinst du nicht da geht noch mehr? Die anderen Reiseblogger können das ja schließlich auch. Guck mal, was die alles machen. Sei doch nicht immer so faul. Nutz mal deine Freizeit!“

Und so stecke ich fest in dieser komplizierten Dreiecksbeziehung mit meiner Leidenschaft für das Reisen und dem ständigen Bedürfnis auf dem Sofa zu entspannen.

Was also ist die Lösung?

Das weiß ich natürlich auch nicht so genau. Aber um zumindest rauszufinden, ob ich wirklich gerne mehr verreisen möchte oder nicht (und ganz nebenbei Punkt 1 und 2 von der Antwortliste zu überprüfen) habe ich mir etwas überlegt.

Ich will probieren, 2019 in jedem Monat mindestens eine Reise zu machen.

Quasi meine ganz eigene #12in12 Challenge.

Damit das Ganze auch machbar ist, zähle ich zu Reise mal großzügig alles – vom dreiwöchigen Urlaub bis zum Tagesausflug. Einzige Bedingung ist, der Zielort muss außerhalb des Hamburger Innenstadtgebiets liegen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich schon nach ein paar Monaten die Schnauze voll haben werde, weil ich z. B. keine Lust mehr habe ständig einen Ausflug zu organisieren. Oder weil es mich auslaugt, freitags nach der Arbeit loszudüsen und das Wochenende nicht ausruhen zu können.

Aber ich bin fest entschlossen die Challenge ein Jahr lang trotzdem so gut es geht durchzuziehen. Wenn ich am Ende sage, es war alles zu viel, dann ist das auch eine gute Erkenntnis. Dann habe ich für mich eventuell rausgefunden, dass mein Ruhebedürfnis (und die Liebe zu meiner Couch) größer ist als mein Reisebedürfnis. Doch wer weiß… vielleicht finde ich die Challenge ja auch großartig und stelle fest, dass es gar nicht so aufwändig ist, einen Wochenendtrip zu organisieren – und dass sich eben jener doch lohnt. So oder so bin ich sehr gespannt, was die Challenge mit mir machen wird.

Ein kleiner Anfang: meine Reisepläne für 2019

Ein paar Nägel mit Köpfen habe ich für den Anfang übrigens schon gemacht. Im Januar ging es für einen Tag nach Bremen. Im Februar werde ich einen Wochenendtrip nach Kopenhagen machen. Und im März habe ich eine Woche in Antwerpen, Brügge und Gent geplant. Für die restlichen Monate schwirren mir schon Ideen im Kopf rum. Ich finde, das ist doch schon ein vielversprechender Anfang.

In diesem Sinne – habt hoffentlich immer ein schönes Wochenende!

 

 

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4 Kommentare

  1. Liebe Imke,
    „Für andere Menschen verreise ich schon sehr häufig, aber im Vergleich zu anderen Reisebloggern bin ich wohl eher ein kleiner Stubenhocker.“
    Dieses Zitat von Dir hat mich ein bisschen erschreckt: Warum misst Du Dich an den anderen? Warum tust Du nicht genau das, was Du selber am liebsten machen willst? Und wenn das „nach einer stressigen Woche auf dem Sofa abhängen“ ist – who cares? Vielleicht solltest Du doch lieber mal auf Deine innere Stimme hören und Dich weniger von Instagram oder Blogs unter Druck setzen lassen. Dann findest Du schon Deine richtige Dosis fürs Reisen.
    Viele Grüße
    Sabine

    • Hallo Sabine,
      danke für deinen Kommentar und deine Gedanken. In gewisser Weise gebe ich dir Recht. Aber gleichzeitig ist es mit mir und dem Reisen häufig so wie auch mit Sport. Vorher bin ich sehr unmotiviert und empfinde es als anstrengend, aber wenn ich erstmal da bin, finde ich es ja eigentlich auch gut und bin dann froh, dass ich mich aufgerafft hab. Mit der Challenge möchte ich auch herausfinden, ob ich es tatsächlich gut finde öfter zu verreisen oder eben nicht. Und wenn ich letzteres herausgefunden habe, dann kann ich vermutlich auch entspannter auf dem Sofa abhängen, denn dann weiß ich ja, das ich eigentlich gar nicht wirklich öfter verreisen will. Oh je… das klingt jetzt alles sehr kompliziert aber ich hoffe du verstehst was ich meine.
      Liebe Grüße
      Imke

  2. Mir gehts ein bisschen wie Sabine: Ich bin etwas verwundert – erschreckt – dass du dir da eine Challenge setzt, um mit anderen mithalten zu können.
    Was ist schlimm daran, am Wochenende einfach gerne auf dem Sofa zu sitzen und sich auszuruhen, im Internet zu surfen, Filme zu schauen, ein gutes Buch zu lesen?
    ICh meine, wenn du wirklich gerne verreisen magst und dir einen Schubs geben möchtest: Großartig.
    Wenn du das nur machst, um mit anderen mithalten zu können, finde ich es ziemlich überflüssig (sorry für die deutlichen Worte).

    Übrigens. Wochenendausflüge oder Tagesausflüge muss man auch nicht unbedingt organisieren. In den Zug setzen, in eine Stadt fahren, das kann man auch erst am Samstag gemütlich, für eine Nacht bleiben und dort einfach bummeln und fünfe grade sein lassen. Das muss nicht ausarten. Das kann auch zur Erholung genutzt werden nach einer stressigen Arbeitswoche.
    Mach Dir nicht noch mehr Stress mit seltsamen Ansprüchen, um „instagram tauglicher“ zu reisen. Nehm dir lieber vor an 12 Wochenenden im Jahr Social Media zu meiden 😉

    • Hallo Ilona,

      interessant, dass Sabine und du beide so einen negativen Eindruck habt. So dramatisch hatte ich das Thema eigentlich gar nicht gesehen… Vielleicht habe ich es auch ein wenig falsch beschrieben.

      Was ich im Artikel verschwiegen hab: seit Juli habe ich meine Arbeitszeit reduziert auf eine 4-Tage-Woche. Ich wollte mehr Zeit haben für mich selbst, den Blog und auch fürs Verreisen. Und dann Ende 2018 hatte ich irgendwie das Gefühl, diese neu gewonnene Zeit gar nicht so richtig genutzt zu haben. Ja, ich sitze gerne auf dem Sofa. Aber ich verreise auch gern. Ich sehe die „Challenge“ eher so als persönlichen Anreiz für mich, mir da mal öfter einen kleinen Schubs zu geben. Und wenn ich im Juni sage das nervt mich alles, dann mach ich es halt nicht mehr. Im Grunde ist es ein bisschen so wie ein guter Neujahrsvorsatz: Ich will versuchen meine Wochenenden besser zu nutzen.

      Liebe Grüße
      Imke

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